Raumakustik, die musikalischen Lokalmatadoren

Letzte Nacht luden die Veranstalter von der B&B event and music GbR zum wiederholten Male in die alte Turnhalle auf der Pulsnitzer Straße. Zum DiscoPort. Trotz sehr glatter Straßen, kamen mehrere hundert Gäste, um bei einer der wenigen und für die Jugend bestimmten Veranstaltungen in Radeberg das Tanzbein zu schwingen. Neben den in Sachsen und über die Landesgrenzen hinaus bekannten DJs, wie Ericsun und T.S.B.I.N., waren u.a. auch die Lokalmatadoren RAUMAKUSTIK mit von der Party. Sie sind seit mehreren Jahren sehr erfolgreich, produzieren Remixe für Künstler wie Moby oder Jean Michel Jarre, und regelmäßig deutschlandweit, in der Schweiz und in Österreich unterwegs. Wir haben die Möglichkeit genutzt und ein Interview mit ihnen im Vorfeld des Abends geführt:

Ihr seid seit über 15 Jahren aktiv und macht gemeinsam Musik.
Wie habt ihr euch gefunden, wann genau habt ihr angefangen und welchen musikalischen Hintergrund habt ihr?
Wir kommen beide aus dem klassischen Klavierunterricht. Genau daher kennen wir uns auch. Neben Klavier und Noten war es aber immer Leidenschaft zu elektronischen Klängen. Daraus ist dann Raumakustik entstanden.

Welche Künstler oder Musikrichtungen haben euch zu Beginn eures Projekts begleitet und nachhaltig beeinflußt?
Das Schlagwort lautet „Techno“. Künstler wie Pascal FEOS, Der Dritte Raum waren Vorbilder. Die haben damals hinbekommen, mit ihren „Kisten“ innovative Sachen zu produzieren.
Die elektronische Musikszene hat sich in den letzten Jahren weiter entwickelt – gerade auch das Verschmelzen von Sänger / Songwriter mit Techhouse-Elementen ist sehr spannend und hat so manchen Radiohit hervorgebracht. Früher gab es klarere Abgrenzung zu anderen Musikrichtungen – heute darf kombiniert und probiert werden. Einerseits ist da eine große Offenheit für neues da – andererseits ist es nicht so einfach, „seine“ Nische zu finden. Die große Frage der nächsten Jahre wird sein: Was kann elektronische Musik noch neues hervorbringen – wie kann sie sich neu erfinden? Das wird spannend sein.

Welche (elektr.) Instrumente und Sampler waren als erstes in eurem Studio und benutzt ihr diese noch immer?
Alte Kisten aus den Neunzigern, Sampler und Synthesizer. Einige Instrumente hatte wir uns damals nur gekauft, weil wir sie bei anderen Künstlern gehen haben, ohne wirklich zu wissen, ob es was kann. (lachen).  Es ist aber auch schwierig geworden, da es kaum noch Disketten zum Speichern zu kaufen gibt.
Akai MPC, Roland Groovebox oder Korg Workstation – paar Sachen davon gibt es immer noch, andere sind bei Ebay verschwunden.

Wie sehr hat die Weiterentwicklung der Studioausstattung Einfluß auf eure heutigen Möglichkeiten beim Produzieren?
Lange hatten wir uns gegen Musik aus dem Computer gewehrt. Mittlerweile läuft bei uns alles nur noch über Mac. Fast grenzenloses digitales Producing … macht Spass.
In den letzten Jahren hat sich auf jeden Fall geändert, dass die technischen Möglichkeiten für jeden zugänglich sind und auch viele Sachen relativ einfach finanzierbar. Früher utopisch. Musik herstellen ist, technisch gesehen, so einfach wie noch nie.  Aber die Ideen muss man immer noch selber haben und die Fähigkeit, sie umzusetzen.  Musik soll Emotionen erzeugen, auch elektronische Musik.

Von den Anfängen bis zum ersten richtigen Erfolg, wie lange hat das gedauert? Wie hieß euer erster “Hit”? Was ist eure aktuelle Single?
Der erste große Erfolg war 2011 mit „Glaub mir doch“. Damit sind wir in einige Top 10 Listen gerutscht. Damals noch mit eigenen deutschsprachigen Vocals. Im Jahr 2013 gab es dann unser erstes Album „Underground Pop Music“ und der Single „Hier am Meer“. Auftritte in der Schweiz und Österreich folgten, was für uns eine große Sache war und uns ein gutes Gefühl gegeben hat, dort Raumakustik Fans zu finden. 2015 kam dann unsere erste instrumentale Single „Raider“. Sie brach alle unsere Rekorde, was Chart-Platzierungen betrifft. 6 Wochen Platz 1 bei Beatport. Dadurch sind uns jetzt viele weitere Projekte möglich geworden.
Aktuell ist „Panther“ bei einem Berliner Label am Start – wenn man so will, ganz frisch aus der Mp3 Druckerei. (lachen)

Auf welchen Medien (Vinyl, CD, Mp3) werden eure Produktionen veröffentlicht? Und welche Art von Produktionen macht ihr, Alben, EPs, Singles?
Anfangs waren unsere ersten Veröffentlichungen auf Vinyl, dann später zusätzlich auch als Mp3. Allerdings haben sich die meisten Labels vom Vinylplatten vertreiben zurückgezogen. Mp3 und Streaming sind die neuen Schlagworte.

Habt ihr einen Plattenvertrag mit einem Label oder ist das abhängig von den jeweiligen Produktionen?
Wir haben keinen Plattenvertrag mit einzelnen Labels. Unsere Agentur (Dusted Decks) und Management stellen entsprechende Kontakte her bzw. ist es auch so, dass Labels  auf uns zukommen und nach einer Zusammenarbeit fragen.

Neben erfolgreichen, eigenen Produktionen, arbeitet ihr auch mit zahlreichen etablierten Künstlern zusammen, um u.a. Remixe zu machen. Mit welchen Künstlern habt ihr bisher direkt zusammengearbeit? Wie kommt ihr mit ihnen in Kontakt? Wer hat euch am meisten beeindruckt und bei welchem Künstler kommt eine Zusammenarbeit einem Ritterschlag gleich?
In letzter Zeit waren da schon einige richtig spannende Sachen dabei, die sich wie ein Ritterschlag anfühlen. Dieses Jahr durften wir für Moby und Jean Michel Jarre oder für Editors Remixe liefern. War für uns eine lehrreiche Erfahrung war, bei denen hinter die musikalischen Kulissen zu schauen und zu sehen, wie solche Profis an einen Song herangehen.

Durch euren Erfolg seid ihr seit einigen Jahren auch viel auf Reisen: Wie oft seid ihr unterwegs? Was war das bisher weiteste Event auf dem ihr gespielt habt? Vor wie vielen Gästen spielt ihr im Durchschnitt? Spielt ihr lieber auf einem Festival oder im Club?
Wir sind fast jedes Wochenende unterwegs. Keine Ahnung, was das weiteste bisher war. In guter Erinnerung waren uns dieses Jahr auf jeden Fall das Zürich Openair, aber auch das Sonne Mond Sterne Festival an der Bleilochtalsperre.
Es war alles dabei – Partys von 50 bis 10.000 Zuschauern. Am meisten Spaß macht es uns in Clubs bis 500 Leute zu spielen. Die Nähe und eine gewisse Intimität zum Publikum ist uns wichtig – so macht es allen am ehesten Spaß und der sogenannte Funke springt über. Die großen Openairs sind ebenfalls fett, aber man ist oft relativ weit weg vom Publikum und vom Gewusel.

Auf welcher Party habt ihr euren ersten “Auftritt” gehabt?
Schöne Frage: Es war in unserer Heimatstadt Radeberg, im September 2000. Damals im Schloss Klippenstein und von den USC-Jungs organisiert, da werden schöne Erinnerungen wach. Das Jahr 2000 war auch die Geburtsstunde der Ultimate-Sound-Crew (USC), die noch heute aktiv sind und zum Bierstadtfest die Schlossmauern zum Beben bringen.

Ihr seid in Radeberg aufgewachsen und lebt nach wie vor hier. Was liebt ihr an Radeberg? Stand oder steht es für euch zur Debatte aus Radeberg wegzuziehen?
Manchmal wäre Berlin der bessere Standort. Dort ist einfach der Hotspot. Aber die Heimat ist auch nicht zu verachten und einfach zu schön, um sie zu verlassen.

Wir bedanken uns für das Interview, wünschen weiterhin viel Erfolg und heute Abend vor allem viel Spaß.

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Copyright: radeberg.info

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