Filigrane Kunst – Intarsien in der Stadtkirche Radeberg

Gestern, mit Eröffnung des Radeberger Weihnachtsmarktes, startete auch die Ausstellung von Intarsien in der Stadtkirche Radeberg, die dieses Wochenende von Freitag bis Sonntag von jeweils 14 – 19 Uhr besichtigt werden kann. Der Künstler, der hier ausgestellten Holzintarsien, heißt Paul Krenz, lebt in der unmittelbaren Umgebung und stammt ursprünglich aus der Ukraine.
Als Intarsie bezeichnet man eine Dekorationstechnik, bei der auf einer ebenen Oberfläche verschiedene Hölzer so in- oder aneinander gefügt werden, dass erneut eine plane Fläche entsteht. Diese Fläche ist dann aber verschiedenfarbig und enthält unterschiedlich strukturierte Einschlüsse. Ausschließlich aus Holz gefertigt, findet man diese filigranen Kunstwerke mit unterschiedlichsten Verzierungen. Diese Form künstlerischer Gestaltung wurde bereits bei den bekanntesten Hochkulturen vor 4000 Jahren entdeckt. Zunächst kam Zedernholz zum Einsatz, um alltägliche Gegenstände zu schmücken. So sind Lehnen an Stühle oder Bänke, auch anderes Mobiliar, wie Tische und einiges Toilettengerät dekoriert worden. Man erfreute sich an der Schönheit der Dinge und konnte sich vom „normalen“ Volk abgrenzen. Mit der Zeit entwickelte sich die beliebte Technik weiter und es kamen weitere Materialien, wie Perlmutt, Metall und Elfenbein dazu. Besonders in China und Japan verwendete man zur Veredlung von Gegenständen, Schmucksteine und auch Korallen.
Nach einer „Ruhezeit“ in Europa, entdecken Künstler die Einlegearbeiten mit Metall und verschieden Gesteinen wieder. Es entstanden Mosaike und Goldschmiedearbeiten, die als Ziergegenstände der „Kosmaten“ berühmt wurden. Besonders in Italien und Spanien gelangte die „Intarsie“ zu einer einzigartigen Blüte. Ausstellungen in Siena und Florenz belebte diese Kunst und schnell erweiterten sich die Werkstätten, die Sakristeimöbel und Chorstühle herstellten. Somit nahm der Erfolg dieser Kunst in ganz Europa und Nordafrika seinen Lauf. In Frankreich nahmen sich Kunsttischler dieser Technik an und produzierten mit Einfärbungen, Bronzeapplikationen und Schildpatt raffinierte und wertvolle Kombinationen. Auch in Deutschland ist eine Tradition der Holzbearbeitung gewachsen, die in Augsburg und Nürnberg seine Meister hatte. Einer der berühmtesten Werke, der „Wrangelschrank“, ist in Münster zu finden.
Immer wieder flammte die Intarsienkunst auf und erfuhr im 20.Jahrhundert eine nächste Beliebtheit. Jetzt wurden in der „Arts-and-crafts-Bewegung“ Jugendstilmöbel geschaffen, die durch Ihre Verzierungen besonderen Wert bekamen. Schnell entwickelten sich Ausstellungen, die das Kunstgewerbe belebte und ein noch kaum erforschtes künstlerisches Medium darstellt. Vorrangig aus privaten Sammlungen kommen Intarsienarbeiten in die Öffentlichkeit und bringen den historischen Wert dieser Handwerkskunst nur langsam zum Vorschein.
Jetzt gibt es die Gelegenheit, in einer Ausstellung, die „Intarsienkunst“ hautnah zu erleben und zu bestaunen. Vom 10. Dezember bis Ende Januar 2016 können die Intarsien in der Stadtkirche Radeberg besichtigt werden. Ansonsten an Sonn- und Feiertagen, nach dem Gottesdienst oder nach Absprache.

Bildnachweis: radeberg.info
Copyright: radeberg.info

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