Tourismus in der Bierstadt – Interview

Heute startete in Berlin die ITB, die Leitmesse der weltweiten Reisebranche ist die führende Business-Plattform für das globale touristische Angebot und bereits zum zweiten Mal sind Vertreter unserer Bierstadt mit dabei. Einer von ihnen ist der Sales & Marketing Manager Klaus-Dieter Busse von der Hogasport GmbH, den wir vor seiner Reise in die Bundeshauptstadt für ein kurzes Interview gewinnen konnten.

Hallo Herr Busse, Sie sind Sales & Marketing Manager bei der Hogasport GmbH, was genau dürfen sich unsere Leser unter Ihrem Job vorstellen?
Innerhalb unseres Unternehmens ist es in erster Linie meine Aufgabe, die von uns betriebenen Objekte in Radeberg – 2 Hotels, 4 Restaurants, 2 Sportcenter und Catering – in der Breite öffentlich bekannt zu machen. Neben der klassischen Werbung, werden vor allem das Online Marketing, die Sozialen Medien und die PR-Arbeit immer wichtiger, um entsprechende Zielgruppen für die Bierstadt und den touristisch relevanten Themen anzusprechen. Da spielen Präsentationen auf Messen eine ebenso wichtige Rolle, wie auch die Kooperation mit Reiseveranstaltern, Buchungsportalen und Busunternehmen. Radeberg als Industriestadt hat jede Menge Potenzial an Business-Gästen. Hierbei haben wir vertragliche Vereinbarungen mit Firmen geschlossen, die ihre Mitarbeiter in unseren Hotels übernachten lassen und in Radeberg und Umgebung beruflich tätig sind. Die Vielfalt der Aufgabengebiete sind in der Kürze kaum im Detail darzustellen. Nur noch so viel. Wir als Hogasport GmbH übernehmen innerhalb der „Interessengemeinschaft Tourismus Bierstadt Radeberg“ die Planung, Organisation und Durchführung der Aktivitäten und größtenteils auch für die Vermarktung des sog. Incoming-Geschäfts. Dies umfasst u.a. die Erarbeitung und Umsetzung von Printmedien, wie die erfolgreiche Busmappe und den Bierstadt-Flyer für Individualgäste, sowie Messebesuche und Vereinbarungen mit Reiseveranstaltern, die in Katalogen, auf Internetseiten oder in den Reisebüros für einen Besuch in der Bierstadt Radeberg Arrangements anbieten.

Seit 2010 sind Sie in Radeberg tätig. Was war ihr erster Eindruck von der Bierstadt und was zeichnet Radeberg besonders aus?
Ich kannte Radeberg bereits durch meine gastronomischen Tätigkeiten aus DDR-Zeiten und war sehr positiv überrascht, was sich in den Jahren nach der Wiedervereinigung hier alles getan hat. Aus dem zur damaligen Zeit eher grau wirkenden Städtchen hat sich ein farbenfroher, interessanter und familienfreundlicher Ort entwickelt. Besonders die Altstadt, das vielfältige Angebot von kleinen, individuellen Geschäften und das breite Spektrum im Vereinswesen sind schon bemerkenswert. Die kurzen Wege in das grüne Umland, die gute Verkehrsanbindung, die geschaffene Infrastruktur für die Radeberger und nicht zuletzt die Ansiedelung von Unternehmen unterschiedlicher Branchen, machen die Stadt sehr attraktiv und lebenswert.

Die Nähe zu Dresden ist Fluch und Segen zugleich, der Übernachtungssektor ist in der Landeshauptstadt ein schwer umkämpfter Markt, wie kann eine Stadt wie Radeberg da noch punkten?
Punkten ist da ein guter Ausdruck! Dresden hat seit 20 Jahren stets Wachstum nicht nur an Übernachtungsgästen erfahren können, ebenso bei der Anzahl an Beherbergungsbetrieben ist mittlerweile ein Überangebot entstanden. Klar, die barocke Altstadt mit ihren berühmten Gebäuden, der Wiederaufbau der Frauenkirche, die vielgefächerte Kunst- und Kulturlandschaft und die historische Dampferflotte auf der Elbe sind die Highlights, die von Gästen aus dem In- und Ausland geschätzt und als Reiseanlass genutzt werden. Wir hier in Radeberg haben aber ein Novum zu bieten, denn mit der „schönsten Brauerei der Welt“ kann nicht jede Stadt werben. Ja, sogar heute denken noch einige Gäste und Reiseveranstalter, dass die Dresdner Semperoper die Radeberger Exportbierbrauerei sei. Gut für uns, denn eine so renommierte Brauerei hilft, die Bierstadt Radeberg als Reiseziel populär zu machen. Bisher haben wir mit der hier gebotenen Brauereiführung gute Besucherzahlen verzeichnen können. Doch auch wir müssen feststellen, dass ein Reiseanlass allein, dauerhaft kaum ausreichen wird, Gäste nach Radeberg zu locken. So haben wir mit weiteren Partnern, wie die Radeberger Likörfabrik, dem Schloss Klippenstein, dem Botanischen Blindengarten „Storchennest“, der Gläsernen Produktion von Fleisch- und Wurstwaren Korch und natürlich mit unserem Bierkutscher Ernst Programme gestrickt, die individuell für entsprechende Zielgruppen zusammengestellt und buchbar gemacht wurden. Natürlich kommen wir mit zusätzlichen Angeboten der umliegenden Region kaum aus, so dass Kombinationen mit Dresden im Bereich Kultur entstanden sind. Die Sächsische Schweiz mit der Festung Königstein und der Bastei, wie die Oberlausitz mit Bautzen und Görlitz werden besonders gern von Busunternehmern ins Programm genommen. Als einer der beliebtesten Gründe nach Radeberg zu kommen, ist jedoch das Biertheater geworden. Es ist faszinierend, wie die Menschen nach „Auszeit vom Alltag“ suchen und die Zeit der Aufführung mit „Spaß beim Bier“ geniessen. Von September bis Juni gibt es oft kaum noch freie Zimmer in den Radeberger Hotels. Meist kommen Gruppen, Vereine, viele Individualgäste, die ebenfalls Leistungen bei Führungen, Besichtigungen und Verkostungen in Anspruch nehmen. Und mit dem vor einiger Zeit entstandenen Motto „Bierstadt Radeberg – Hier ist der Genuss zu Hause“ haben wir die Kulinarik in Reiseprogramme aufgenommen, die in verschiedenen Angeboten u.a. mit der Sächsischen Weinstraße und emotional mit Meißen verbunden wird. Besonders attraktiv sehen unsere Kooperationspartner, dass wir „genial – zentral“ mit kurzer Anfahrt zwischen den touristischen Regionen liegen. Das hat sich bereits neben der Ersparnis von Zeit und Bettensteuer, als echten Vorteil gegenüber der Stadt Dresden gezeigt.

Wo sehen Sie noch Potential in der Bierstadt und in ihrer Vermarktung?
Grundsätzlich sollte man stets mit den Highlights einer jeden Destination an den Markt gehen. Dies ist in der Bierstadt natürlich mit der Radeberger Exportbierbrauerei als „der“ Werbeträger schlechthin in den Köpfen der Menschen verankert. Ich sehe dennoch weiteres Potential im Bereich Genuss, der sich vielfältig in der Stadt und im Umland anbietet. Da ist unser tolles Schloss Klippenstein schon als ganz besonders reizvoll anzusehen. Im weiteren Verlauf bieten sich die Natur im Hüttertal oder auch auf dem angeschlossenen Planetenwanderweg für Spaziergänge oder Radtouren an. Radfahren ist ohnehin seit langem “in” und die Verbindung mit der entwickelten RöderRadRoute, die quer durch unsere Stadt verläuft, birgt Chancen bei den Aktivurlaubern. Genuss ist m.E. auf jeden Fall im Botanischen Blindengarten zu sehen. Die hier liebevoll gepflegten Pflanzen, der Duftgarten und die üppige Flora ist Erholung pur. Wir konnten auch schon Reisende mit der Salzgrotte in der Villa Knoke begeistern, die auf der Suche nach Entspannung sind! Man sieht, es gibt eine Vielzahl von individuellen Möglichkeiten, die als Reiseanlass und teilweise mit Ausflugszielen in der Region kombiniert, Interessantes bietet.

Vom 8. – 12. März ist in Berlin die ITB – Internationale Tourismusbörse Berlin – und auch Radeberg ist wieder mit dabei. Mit welchen Angeboten versuchen Sie potentielle Interessenten hierher zu locken? Welche Zielgruppe wird auf der ITB angesprochen, der normale Tagestourist oder eher Reiseveranstalter?
Die ITB – weltgrößte Tourismusmesse in Berlin besuchen wir in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal und sehen dort bei ca. 120.000 Fach- und 60.000 Privatbesuchern beste Möglichkeiten, die „Bierstadt Radeberg“ noch bekannter zu machen. Unsere Angebote sind zunächst an den Fachbesuchertagen für Reiseveranstalter und Vermittler, Gruppenreisen, Busunternehmen und bei der Suche nach Kooperationspartnern ausgerichtet. Hier sprechen wir mit der eigens erstellten Busmappe der IG Tourismus-Partner über Tages- oder Mehrtagesfahrten, die als Reiseprogramme in den Katalogen angeboten werden sollen. Weiterhin nehmen wir bei eigenen Rundgängen Ideen und Trends auf, die wir für eigene Aktionen zur verbesserten Darstellung unserer Destination nutzen können. Manchmal sieht man eine spannende Geschichte einer anderen Stadt, die man in ähnlicher Form sogar in Radeberg umsetzen könnte! Da ist es naheliegend, adaptiert, das Thema aufzugreifen und mit unserem Angebotsspektrum gespickt, umzusetzen und anzubieten. Wichtig sind uns auch Kontakte mit neuen Medien, wie Blogger, Instagramer oder Influencer zu knüpfen, die auf Sozialen Netzwerken über Reisen und mehr berichten.
Am Wochenende, zu den Publikumstagen, geht es um individuelle Arrangements, um allgemein für einen Kurzurlaub in der Bierstadt Radeberg zu werben. Meist interessieren sich Paare, Sportvereine, Wander- und Radgruppen, aber auch Wohnmobiltouristen und Firmen für die Angebote. Da haben wir ja jede Menge zu bieten und können vielen Zielgruppen ein passendes Angebot unterbreiten.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich in Radeberg hinsichtlich der touristischen Vermarktung wünschen? Gerade im Hinblick auf das Stadtjubiläum in 2019.
Einen Wunsch zu äußern ist einfach, wenn in meinen Kopf unzählige schlummern, die ein Stadtjubiläum bereichern könnten. An mancher Stelle und aus verschiedenen Gründen, ist die Umsetzung von Wünschen schwierig zu realisieren. Meist scheitert das eine oder andere Projekt im Vorfeld bereits an den Voraussetzungen. Von meiner Seite aus fand ich die Idee zur Ausrichtung vom „Tag der Sachsen“ im Jubiläumsjahr 2019 klasse. Mir selbst ist der Umfang der Organisation einer derartigen Großveranstaltung unbekannt, doch könnte ich mir vorstellen, dass mit Unterstützung aus öffentlichen Töpfen und Privatinitiativen ein solcher Event in Radeberg möglich gewesen wäre. Zudem dann im Herbst, neben dem Bierstadtfest im Juni, ein weiteres Großereignis in der Stadt mit überregionaler Strahlkraft zusätzliche Besucher verspricht. Dabei denke ich an Austragungsorte der letzten Jahre in Schneeberg, Großenhain oder Löbau. Wenn diese Städte so etwas schaffen, kann dies auch sicher Radeberg?!
Eine Landesgartenschau war ebenfalls im Gespräch, hier fehlte es aber wohl an geeigneten Flächen, das Konzept passend zu machen.
Jetzt, nur noch weniger als zwei Jahre bis zum 800jährigen Jubiläum, gilt es schnell zu handeln, denn die Zeit ist schneller heran als gedacht. Um im Laufe des Jahres für mehrere Höhepunkte zu sorgen und somit verschiedene Zielgruppen thematisch zu Geschichte, Tradition, Handwerk, Kultur und auch Sport zu begeistern, müssen die Akteure zeitnah Ideen und Programminhalte erarbeiten und zusammenstellen. Spätestens Anfang 2018, besser eher, ist die regionale, überregionale und nationale Bewerbung des Stadtjubiläums zu starten, um Journalisten, bei Reiseveranstaltern, auf Messen usw. die bevorstehenden Ereignisse wirksam zu bewerben. Es ist aus meiner Sicht eine einzigartige Chance für Radeberg, über die Grenzen hinaus bekannter und für einen Besuch interessant zu machen. Gerade die Traditionen aus der Industriegeschichte können hilfreich sein, Veranstaltungsformen zu kreieren, die als Zugpferd gelten können. Da fallen mir spontan die 175 Jahre Bahnanschluss, der über 150 jährige Kutschen- und Fahrzeugbau, die Glasproduktion oder die Medizintechnik ein. Hier könnten die Industriepartner Tagungen, Kongresse, Besichtigungen usw. mit ihren Kunden und Geschäftspartnern nach Radeberg bringen. Ein Oldtimerwochenende mit Wartburg, W50 und Co. auf dem Marktplatz findet sicher auch gute Resonanz. Sportliche Ereignisse, wie Bogenschießen, Hüttertallauf, ein Rad-Event oder ein Prominenten-Fußball-Turnier sorgen für Spaß und Publikum in der Stadt. Kunst und Musik sind Themen, die spezielle Liebhaber finden. Da denke ich an Holzkunst im großen (Herr Hantschmann) und kleinem Stil (Radeberger Wichtel), Galerie Klinger, Quantz-Musiktage oder auch Termine zum „Sandstein & Musik“-Festival. Kunst im öffentlichen Raum, wo neben Bierstadtpfad, die bis dahin erforderliche Sanierung vom „Trimm-Dich-Pfad“, ein Kunstpfad entstehen könnte, um das Konzept „Grünes Radeberg“ zu unterstützen.
Ein Bürgerpicknick oder Open Air Konzerte im Park vom Schloss Klippenstein, eine Genussmeile in der Altstadt und, und, und. Die Vielfalt ist so groß, was hier alles so möglich wäre. Doch bin ich der Überzeugung, dass im Hinblick auf alle zukünftige Aktivitäten eine Zentralisierung und Koordinierungsstelle entstehen, um die Bierstadt Radeberg in seinem Ganzen gesehen, nach innen und aussen vermarkten soll. Die Aufgaben sind so breit gefächert und bisher oft nebenher organisiert worden, was ehrenamtlich kaum noch umsetzbar ist. Es sollte die Überlegung wert sein über ein umfängliches Stadtmarketing aus einer Hand nachzudenken. Alle Fäden laufen dann über diese zentrale Anlaufstelle mit den jeweiligen Vereinen, der Stadt, den Institutionen, den Unternehmen, den Gewerbetreibenden, dem Handel und Privatinitiativen zusammen und so können Ressourcen und finanzielle Mittel optimiert und gebündelt eingesetzt werden. Also packen wir es gemeinsam an und freuen uns auf ein ganz besonders erlebnisreiches Stadtjubiläum in Radeberg.

Vielen Dank Herr Busse, für das freundliche Interview, sowie viel Spaß und Erfolg bei der ITB in Berlin.

Bildnachweis: radeberg.info
Copyright: radeberg.info

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