Stadt-Geschichte

Ein kleiner und humovoller Abriß unserer Geschichte:

Radeberg, die grüne Industriestadt vor den östlichen Toren Dresdens. Diesen Satz könnte man so stehen lassen, denn er trifft den Nagel auf den Kopf. Da ein einzelner Satz recht langweilig erscheint, wollen wir etwas weiter ausholen.

Wir sind eine kleine Stadt, umgangssprachlich Kleinstadt genannt – haben also weniger als 20.000 Einwohner – dürfen uns aber seit 2009 Große Kreisstadt nennen. Und weil uns das nicht genug ist, haben wir ganz nebenbei noch Bierstadt als weiteres, bezeichnendes Synonym gewählt. Spätestens jetzt dürfte jedem klar werden, dass wir für eine gewisse Vielfalt stehen und doch eins sind.

Aber fangen wir von vorn an. Wir schreiben das Jahr 1219 als unser Fleckchen Erde das erste Mal Erwähnung fand und ein paar Bauern an den Ufern der Röder – so heißt unser hiesiger Fluß, der offiziell als Große Röder bezeichnet wird – sesshaft wurden. Anschließend passiert das was damals eben so passieren musste. In rund 150 Jahren entstanden u.a. ein Marktplatz, eine Burg und – man lese und staune – eigene Maßeinheiten. Der Radeberger Scheffel zum Beispiel. Das ist wahrscheinlich auch genau der Scheffel unter dem wir manchmal stehen, Schatten wohin das Auge reicht. Sei’s drum. Am 16. März 1412 hat man uns dann das Stadtrecht verliehen, worüber wir uns rund 100 Jahre lang am Stück gefreut haben. Im anhaltenden Freudentaumel und mittlerweile im 16. Jahrhundert angekommen, haben wir in unmittelbarer Umgebung Silber gefunden und den dortigen kleinen Hügel umgehend Silberberg genannt. Machte ja auch irgendwie Sinn. Weitere einhundert Jahre später befanden wir uns inmitten des Dreißigjährigen Krieges. Das war keine schöne Zeit und hat uns, höflich formuliert, in der Weiterentwicklung erheblich eingeschränkt. Es war ehrlich gesagt ein Martyrium. Da wir aber hart im Nehmen sind, haben wir auch das hinter uns gebracht und die Blicke wieder nach vorn gerichtet. Leider nur solange bis die nächsten Katastrophen auf der Tagesordnung standen. Anfang des 18. Jahrhunderts brachten uns mehrere Stadtbrände auf den Boden der Tatsachen zurück. Selbst das Rathaus war davon betroffen und sollte erst 26 Jahre später wieder aufgebaut werden. In der heutigen Zeit unvorstellbar, gelegentlich aber durchaus wünschenswert.
(Liebe Mitarbeiter der Stadtverwaltung! Jetzt bitte nicht durchdrehen, wenn Sie das lesen. Spaß muss sein.)
Kommen wir jetzt zum schöneren Teil unserer Geschichte, dem Zeitalter der Industrialisierung. Das, was in Großbritannien schon längst etabliert war, kam mit ein paar Jahren oder besser gesagt ein paar Jahrzehnten Verspätung nach Deutschland und schlussendlich auch zu uns, ins beschauliche Radeberg. Die Eisenbahn. Genauer gesagt die Eisenbahnstrecke von Dresden nach Görlitz. Im Mai 1844 wurde in Dresden mit dem Bau begonnen und so konnte bereits im Jahr darauf, am 17. November 1845, das erste Teilstück Dresden – Radeberg für den Verkehr freigegeben werden. Am 1. September 1847 wurde anschließend die komplette Strecke mit einer Distanz von 102,2 Kilometern feierlich eröffnet und die neuen Traumberufe des Lokomotivführers, des Fahrkartenkontrolleurs und des Bahnwärters konnten endlich ausgeübt werden. Als der Zug nun einmal rollte, vor allem der in Richtung Dresden, sprangen etliche Unternehmer aus der Oberlausitz auf und verlegten ihren Firmensitz nach Radeberg oder gründeten ihr neues Unternehmen in der zukünftigen Bierstadt. Bevor es mit dem Bier aber soweit war, wurde die aufstrebende Glasindustrie im Jahr 1858 heimisch. Wie jedes Kind an dieser Stelle richtig kombinieren wird. Um das Bier trinken zu können, muss es in die Flasche oder in das Glas gefüllt werden. Ohne Glas, kein Bier. Ganz einfach. 1872 wurde endlich die Aktienbrauerei “Zum Bergkeller” gegründet, die heute unter Radeberger Exportbierbrauerei firmiert, und dem Biergenuss stand nichts mehr im Wege. Wer trinkt muss selbstverständlich auch essen, deshalb stellte 1884 Agathe Zeis in ihrer Muster- und Lehrmeierei Heinrichsthal den ersten deutschen Camembert her und es erfolgte die Errichtung der Ersten Deutschen Teigwarenfabrik von Paul Stade. Hinzu gesellten sich noch etliche andere Unternehmen, wie z.B. die Deutsche Patentfeilen Fabrik, Radeberger Strohhutfabrik, Nähmaschinenschiffchenfabrik Carl Barth, Saxonia Eisenbahnwagen, Eschebachwerke für Küchenmöbel und Haushaltsgeräte und der Karosseriebetrieb Gläser-Heuer, um nur einige zu nennen. 1905 bekommt die Radeberger Exportbierbrauerei das Prädikat Hoflieferant des sächsischen Königs verliehen. Neben dem königlichen Bier gab es von 1915 – 1919 das Königliche Feuerwerkslaboratorium Radeberg, ein Rüstungsunternehmen, das während des Ersten Weltkriegs primär mit der Herstellung von Zündern und Sprengkapseln beschäftigt war. Wofür? Das muss an dieser Stelle nicht näher erläutert werden. 1920 erfolgt die erste “feindliche” Übernahme unserer Geschichte, die Eingemeindung von Lotzdorf. Feinstes Porzellan wurde ab 1922 von der Firma C.A. Hutschenreuther AG produziert. Dieses Porzellan stand dem Meissner Mitbewerber selbstverständlich in nichts nach, kam aber nicht als Service auf dem Tisch, sondern als dentales Ersatzteil zum Einsatz. Weitere, wirtschaftliche Superlative waren von da an erst einmal Geschichte und man schlug sich mit den typischen Problemen zum Ende der Weimarer Republik, des nachfolgenden Dritten Reichs und den begrenzten Möglichkeiten in der DDR herum. Die Verstaatlichung der großen Betriebe, wie Exportbierbrauerei, Eschebach, Heinrich Gläser oder Zahnfabrik Saxonia waren die Folgen.
… Fortsetzung folgt.

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